Landeskirchliche Gemeinschaft Asbach
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Jahreslosung 2012 

Winter

aus dem 2. Brief des Apostels Paulus 
an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 12, Vers 9: 
Jesus Christus spricht: 
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

 


Viele von Ihnen kennen die Herrnhuter Losungen und deren Geschichte. Die Losungen erscheinen  jedes Jahr seit 1731 ohne Unterbrechung. Sie werden immer noch per Los für jeden Tag gezogen. Weltweit gibt es sie in 50 Sprachen. Allein die Losungen in deutscher Sprache sind mit einer jährlichen Auflage von einer Millionen Exemplaren ein stiller Bestseller im Buchhandel. Das Losverfahren ermöglicht die Auswahl der täglichen Worte durch Gottes Hand. So haben ich und viele andere Leser mit mir es schon erfahren. Manchmal schlage ich die Losung auf und merke, dass dieses Wort hundert Prozent zum meiner Situation an diesem Tag passt. 

In der Losschüssel selber liegen Zettel mit ganzen Versen aus der Heiligen Schrift, um dann gezogen zu werden. Das unterscheidet sie von den Jahreslosungen. Diese werden auf einer Delegiertenversammlung der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen bestimmt. Da kommt es auch schon mal wie im kommenden Jahr geschehen vor, dass ein biblischer Satz zusammengeschnitten wird. So wird nicht der vollständige Vers 9, sondern nur ein Auszug dieser Antwort Jesu wiedergegeben. Da es sich dabei aber um die Erwiderung unseres Heilands auf eine sehr wichtige Frage des Apostels Paulus handelt, finde ich es unverzichtbar auch die komplette Antwort lesen zu können. 

Die Anfrage des Apostels richtet sich darauf, warum Jesus ein Gebet des Paulus nicht so erhört wie der sich das vorstellt. Ich denke, dass dieses spannende  Problem kaum einem von uns fremd ist. Es geht dabei um ein körperliches Leiden, das ihm sehr zu schaffen macht. Schon dreimal wurde intensiv um eine befreiende Heilung gebetet. Da können wir uns auch ein Beispiel an Paulus nehmen, wie beharrlich er in einer schwierigen Situation den HERRN anfleht. Sicherlich ist er auch zu den menschlichen Ärzten gegangen, aber darüber hinaus sucht er die Hilfe des Heilands. Die Krankheit weicht aber nicht,  und warum dies geschieht, dass sagt ihm Jesus mit diesem Antwortvers. „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ 

Das mag auf zunächst fast wie eine schwache Vertröstung klingen. Statt geheilt zu werden, soll er sich genügen lassen. Aber Jesus speist Paulus nicht ab. Die Gnade ist kein Trostpreis. Das Erleben, das Eintauchen in die Gnade Gottes ist mehr als nur das einfache Hinwegnehmen der Krankheitssymptome. Es ist die Herrliche Gegenwart Gottes im seinem irdischen Leben. „Meine Gnade reicht für dich aus, denn die Kraft vollendet sich mitten in der Schwachheit!“ (nach der Übersetzung „das Buch“ von Roland Werner). Paulus erfährt, wie die Kraft des Messias in ihm wohnt, ja in seiner menschlichen Begrenztheit sich vollendet. Paulus war ein hochbegabter Mensch, dem sehr viele Dinge gut von der Hand gegangen sind. In seinem Beruf als Zeltmacher war er fleißig und erfolgreich. Aber vor allem setzte er sich dafür ein, dass Menschen zu einem lebendigen Glauben an den Messias Jesus finden. Gerade in seiner vielseitigen Begabtheit mag sich der Gedanke einschleichen, dass ich dass alles selber am besten hinbekomme. Aber nicht Paulus „macht“ kraft seiner Möglichkeiten, daran erinnert ihn dieses Wort, sondern wer hier etwas wirklich tut ist Jesus durch Paulus. 

Natürlich geht es keineswegs um Untätigkeit, es geht aber darum zum einen den Druck abzulegen, dass alles an Paulus liegen würde und zum Anderen geht es darum Jesus die Ehre über diesem Werk zu geben. „Spätestens da, wo du an deine Grenzen kommst, spätestens da kann ich dir ganz nah sein“ so verstehe ich diese Worte. So versteht Paulus auch, warum er im Blick auf diese Erkrankung erfahren muss, dass seine Gebete nicht so erhört werden, wie er es erhofft hat. Spätestens dieses Leiden bewahrt ihn davor großspurig und überheblich zu werden. Und so erleben wir, wie Paulus mit jeder Faser seines Lebens, mit jedem Wort aus seiner Feder Jesus groß macht, dem Heiland die Ehre gibt.

Christoph Nordmeyer
Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Haindorf


• © 01/2012 •